PerLe – Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen

Hauptvortrag

Mehr als ECTS: Einflussfaktoren auf Lernverhalten und Studienerfolg

Im ZEITLast-Projekt wurde per Zeitbudget-Methode täglich fünf Monate lang in 27 Stichproben aus unterschiedlichen Fächern und Hochschulen die Workload der Bachelor-Studierenden detailliert erhoben. Die minutiöse Erhebung und Analyse der Workload hatte zu der überraschenden Einsicht geführt, dass das subjektive Empfinden von Zeit und Belastung in keiner Weise der objektiv gemessenen Zeit entspricht. Die Analyse offenbart nicht nur die Schwäche des unbetreuten Selbststudiums, sondern öffnet den Blick zugleich für die enorme Diversität in Motivation und Lernverhalten. Während Studierende mit einem zeitlichen Einsatz unter 20 Stunden pro Woche keine/einige/alle Prüfungen bestanden, bestanden Studierende mit einem zeitlichen Einsatz über 40 Stunden pro Woche etliche Prüfungen nicht und vice versa. Es konnte nachgewiesen werden, dass die Workload keine korrelative Beziehung zum Prüfungserfolg eingeht.

Die hohe individuelle und interindividuelle Varianz selbst im Präsenzstudium, aber besonders im Selbststudium führt zur Einsicht, dass es weder die bzw. den Normalstudierenden gibt noch einen normalen gleichförmigen Studienverlauf. Differenziert man jedoch die Studierenden nach ihrer Motivation, so werden Gruppenprofile von Studierenden erkennbar, die sich doch nach Workload und Studienerfolg unterscheiden. Für die Hochschulen und die Hochschuldidaktik ist es deshalb wichtig, nach Studienstrukturen zu suchen, in denen der Heterogenität Rechnung getragen wird.

Sowohl in der TU Ilmenau (BSc Mechatronik) als auch in der FH St. Pölten (BSc IT Security) wurde die Lehrorganisation umgestellt. Die Module wurden sukzessive nacheinander in geblockter Form über mehrere Wochen durchgeführt. Das Selbststudium wurde in den Zeiten zwischen den Veranstaltungen des jeweiligen Moduls angeboten. Für diese Form der Lehrorganisation gibt es mehrere Vorbilder in amerikanischen und kanadischen Hochschulen, in der SRH Pädagogischen Hochschule Heidelberg und im Problemorientierten Studium in der Medizin. Der Vortrag wird auch ein wenig zu den didaktischen Prinzipien ausführen, die für die Durchführung geblockter Module wichtig sind.

Um diese Erkenntnisse abzusichern, wurden in einer Metastudie 300 empirische Studien aus der Lernforschung zu Workload und Studienerfolg gesichtet. Die Höhe der Workload erweist sich nicht als Prädiktor für den Studienerfolg. Die bekannten demographischen Variablen verlieren im Vergleich zu Variablen des Lernverhaltens wie Gewissenhaftigkeit, Aufmerksamkeit, Konzentration und persistenter Zielverfolgung an prognostischer Kraft.

Referent: Prof. Dr. Rolf Schulmeister, Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung, Universität Hamburg

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Webvideo (83 Min.) des gesamten Vortrags

Förderung durch...


  • Dieses Vorhaben wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 01PL17068 gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt beim Autor.

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  • Zwei Studenten und eine Tasse Kaffee